Kochpsychologie
Habe mir im Zuge meiner derzeitigen Bewerbungsphase (man muss ja informiert sein) eine junge und moderne Zeitschrift gekauft. Tue ich ja sonst NIE. Jedenfalls finde ich in dieser stylish hochglänzenden Papieransammlung auf S. 88 einen TEST: „Hochgekocht?“ Neugierig bin ich ja, obwohl ich weiß, wie ich zur neuen Küchenhysterie im TV stehe: weggucken und Rührei rühren. Da braucht’s keinen Test. Die Fotos sind aber ein Hingucker (ob geschmackvoll – da lässt sich bekanntlich drüber streiten) und reizt es mich, zu erfahren was für ein Kochtyp ich wohl sein könnte…. Außerdem, man könnte ja den Test mal testen – dahingehend ob diese Magazin-Psycho-Tests sich über die Jahre hinweg weiterentwickelt haben.Gleich das erste Ergebnis ist niederschmetternd : ich falle immernoch (wie früher grundsätzlich auch) punktetechnisch genau in zwei Kategorien: ich soll ein Kochschnösel und ein solides Hausmütterchen zugleich sein. Geht das überhaupt? Und was bitteschön, ist ein Kochschnösel?
Aufklärung ist doch das Schönste im Leben, und so lerne ich: „Du hast schon Ravioli gefüllt, als andere noch dachten, man müsse Öl ins Nudelwasser geben. Einen Hummer fachgerecht zu zerlegen, gehört für dich so selbstverständlich zur guten Kinderstube wie für andere das korrekte Benutzen von Besteck.“ Was ich noch nicht über mich wusste – hier erfahre ich es wieder nicht. Gar nicht so traurig.
Nun denn, schauen wir mal, was das solide Hausmütterchen so zu bieten hat: „Du hast schon immer gerne gekocht und gebacken. Dass das Thema jetzt so salonfähig geworden ist, freut dich natürlich ungemein, denn früher wollte niemand etwas über das Gulaschrezept deiner Großmutter erfahren.“ Schon besser. Also wer will noch mal über Rühreier…
Und da wären wir schon beim Psycho dieser Tests: Sie räumen nicht auf, sondern stürzen ins Chaos. Keine kategorisierten kleinen, kuscheligen Schubladen zum reinkriechen. Nein, vielmehr werde ich in eine tiefgreifende Koch-Ego-Krise gestürzt. Es war doch harte Arbeit zur schlampigen binStudent-mixewasimKühlschrankist-Stufe aufzusteigen. Ade, du einfache Kochwelt.Vielleicht muss ich mein Kochimage mal neu überdenken. Kann es tatsächlich sein, dass ich sozusagen in die Koch-Könner-Riege aufgestiegen bin? Wollt ihr auch? Leider nur ein Anreißer online auf neon.de